In einer der ärmsten Gegenden von Port-Au-Prince/ Haiti unterstützen wir seit 2008 die beiden Schulen St. Emma und St. Nicolas. So ermöglichen wir über 600 Kindern jährlich einen kostenlosen Schulbesuch und bieten ihnen ein zweites sicheres Zuhause. 2010 wurden die Schulen leider, wie große Teile von Port-au-Prince von dem großen Erdbeben zerstört. Mit Hilfe zahlreicher Spender und Initiativen konnten wir 2013 zwei erdbebensichere Schulen neu bauen und 2015 feierlich eröffnen. Zudem haben beide Schulen seit 2017/18 eine Trinkwasseranlage, die nicht nur den Kindern, sondern auch der Gemeinschaft zur Verfügung stehen.


In nph Kinderhilfe Lateinamerika e.V. haben wir einen verlässlichen Partner an unserer Seite. Denn die Organisation ist seit mehr als 25 Jahren vor Ort aktiv und unterstützt den Schulbetrieb in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung. In beiden Schulen arbeiten ausschließlich Haitianerinnen und Haitianer, das heißt das Projekt schafft Arbeitsplätze vor Ort und unterstützt die regionale Wirtschaft.


Maries Geschichte

Marie-geschichteDas Erste, was in der auffällt, ist der Lärm. In einer Schule, die aus uralten Steinen zusammengewürfelt ist, kannst du die Stimmen von Schülern und Lehrern hören, die an den Mauern abprallen und durch die Mauerspalten hindurch widerhallen. Doch gerade dieser permanente Hall macht die Stille in dem Moment besonders außergewöhnlich, sobald die Stimme des Lehrers verstummt und nur noch das Kratzen der Stifte auf dem Papier zu hören ist.

Einer dieser Stifte gehört Marie, einer fröhlichen Neunjährigen. „Schau mal!“ - sie zeigt auf die französischen Zeilen, die sie sorgfältig in ihr Heft geschrieben hat. Sie sitzt noch nicht einmal fünf Zentimeter von ihrer Klassenkameradin entfernt, aber die beiden arbeiten symbiotisch. Während sie langsam die kursive Schrift der Lehrerin von der Tafel abschreiben, bewegen sich ihre Köpfe nahezu synchron.

„Ich liebe den Unterricht. Ich muss mein Bestes geben, um gut dazustehen“, erklärt sie, die Beine unter der Bank hin und her schwingend. Sie fasst sich an den Kopf. „Jeden Morgen überprüft meine Tante meine Haare und vergewissert sich, dass meine Schleifen richtig sitzen. Ich weiß, dass es etwas ganz besonderes ist, die Schule besuchen zu können. Viele Kinder in meiner Nachbarschaft dürfen oder können nicht zu Schule gehen und daher weiß ich, dass ich das Beste daraus machen muss. Mein Haus ist klein und wird, besonders bei Regen, schnell nass, dreckig und überflutet. Meine Bücher wickele ich immer ganz sorgfältig ein, damit ihnen nichts passiert.“

„Wir kümmern uns hier um fast 300 Kinder - Kinder, die oft keinen anderen Zufluchtsort haben“, sagt Direktorin Joel Genalien. „Wir sind in einer sehr armen Gegend - ein Ort, wo Leistungen von der Regierung sehr selten ankommen. Unsere Kinder leben in tiefster Armut. Viele kommen hungrig hierher.“


Maries Schule liegt in Wharf Jeremie, ein Teil des Stadtgebietes Cité Soleil in Port-au-Prince, es gehört zu den gefährlichsten Gegenden Haitis. „Es kann manchmal beängstigend sein“, sagt Marie - ihr Lächeln schwindet einen Moment lang und ihre Augen sind nachdenklich.

Dann aber nickt sie leicht mit dem Kopf und ihre Augen zeigen Entschlossenheit. „Aber ich weiß, der einzige Weg es weniger beängstigend zu machen, ist es hierher zu kommen und zu lernen. Wenn ich hierher komme, empfinde ich Frieden - auch trotz dieses Lärms. Ich kann hier Mathe, Französisch und Naturwissenschaften lernen, ohne mir über das, was draußen passiert, Sorgen machen zu müssen. Für mich ist Das hier mehr als nur eine Schule. Es ist mein zweites Zuhause.“