Jedes Jahr fährt ein kleines Team von PEN PAPER PEACE e.V. nach Haiti, um sich ein Bild von der Lage zu machen, die Kinder zu besuchen und persönlichen Austausch mit den Partnern vor Ort zu pflegen.

Vom 16. bis zum 25. September 2015 waren wir, das sind Alissa Jung und Michaela Westphal von PEN PAPER PEACE, Julian Erksmeyer (Fotos) und Adrien Ganzer (Videos) in Port-au-Prince und haben unsere beiden Schulen St. Nicolas und St. Emma eröffnet. Möglich wurde die Reise durch den ehrenamtlichen Einsatz des Reiseteams sowie durch die Unterstützung von Condor, denn die Fluggesellschaft sponserte die Transatlantikflüge für das ganze Team.

Dieses Jahr traten wir unsere jährliche Haiti-Reise mit der schönen Aussicht an, die beiden Schulen St. Nicolas und St. Emma einzuweihen. Die Schulen war beim schweren Erdbeben 2010 stark beschädigt, bzw. die eine komplett zerstört worden. Daraufhin hatten wir Spendenaufrufe gestartet und gemeinsam mit der Unterstützung aus Deutschland sowie einer beträchtlichen Spendensumme von Ein Herz für Kinder e.V. zwei Grundstücke gekauft und die beiden Schulen durch lokale Fachkräfte aufbauen lassen - dieses Mal erdbebensicher. In der Zwischenzeit mussten die Kinder dicht gedrängt in provisorischen Wellblechhütten lernen.


Port-au-Prince im September 2015

Auf Fotos hatten wir sie bereits gesehen, die beiden Schulen St. Emma und St. Nicolas, in allen Baustadien, vom Ausheben des Fundaments bis zum Streichen der fertigen Gebäude. Was für ein Unterschied selbst in der Schule zu stehen. Plötzlich sind es nicht nur Gebäude, plötzlich ist es ein Lebensraum, in dem Kinder lernen, spielen, Kind sein können. Lachend rennen sie auf uns zu, fragen neugierig wie wir heißen. Offene Augen, bunte Zöpfe, braun-rosafarbene Schuluniformen.

Die Großen haben gerade Pause. Es klingelt und alle strömen wieder in ihre Klassenräume. Eine Lehrerin führt uns herum. Wir sehen die Kindergartengruppen und sind beeindruckt, wie liebevoll die Kleinen miteinander umgehen. Kein Mein-Dein-Gezanke; was es gibt, wird geteilt. Eine Grundschulklasse lernt neue Buchstaben. Die fünfte Jahrgangsstufe hat gerade Englischunterricht. Zur Begrüßung bekommen wir ein Lied gesungen, allerdings auf Französisch. Viele der Kinder sprechen in ihren Familien nur Kreyol. Umso wichtiger, dass sie in der Schule ihre Landessprache Französisch lernen. So haben sie später bessere Berufswahlmöglichkeiten.


schuleroffnung st.emma 2015

Die feierliche Eröffnung (Saint Nicolas am 21.09.2015)

Die Schulbänke haben viele kleine Hände und Füße als sie auf den Schulhof kommen. 300 Kinder nehmen Platz und warten darauf, dass es losgeht. Alle sind gekommen: das Schulkomitee, einige Eltern, Vertreter der Organisationen St. Luc und nph haiti, in deren Netzwerk die beiden Schulen eingebettet sind. Die Dankesreden berühren uns. Einige Kinder führen einen Theatersketch auf, andere tanzen eine Choreographie zu einem haitianischen Popsong.


einweihung st. emma 22.09.2015

Auch der Ingenieur der Schulen ist anwesend und bekommt großen Applaus. Die neue Schule sieht so schön aus, viel schöner als die provisorischen Wellblechhütten, in denen der Unterricht nach dem Erdbeben stattfand. Das beeinflusst das Selbstwertgefühl jedes Schulkindes. „Wer möchte später mal Ingenieur werden und selbst so eine Schule bauen?" fragt der Direktor. Viele Hände heben sich. Ein schöner Gedanke, dass sie die Wahl haben.

Mit Sekt und Kuchen feiern wir den gemeinsamen Erfolg. Nach vier Jahren der Grundstückssuche und der Bauarbeiten beginnt nun ein neues Schuljahr in den fertigen Schulen. „You promised us schools and you hold your promise!" sagt der Lehrer des fünften Jahrgangs. Hoffentlich können wir den Erwartungen weiterhin gerecht werden. Nun heißt es langen Atem beweisen und Geld für die laufenden Kosten sammeln. An St. Emma und St. Nicolas arbeiten 22 haitianische Lehrkräfte, die alle faire Gehälter verdienen.


eroffnung st. emma

Wir reisen ab mit ganz unterschiedlichen Gefühlen. Mit Stolz, welche Wirkung unsere Arbeit zeigt. Gleichzeitig spüren wir aber auch die Verantwortung, weiterhin die laufenden Kosten zu tragen. Es wird lange Dauern, bis der haitianische Staat in der Lage sein wird, ein öffentliches Schulsystem zu finanzieren. Riesengroß ist die Freude darüber, dass es zwei Orte gibt, in denen Kinder unbeschwert lernen können, in denen sie ermuntert werden, zu träumen und in denen sie Unterstützung erfahren, diese Träume zu verwirklichen. Bewegt und reich an Eindrücken und neuen Erfahrungen treten wir die Rückreise an.

Was wir uns für die Zukunft wünschen?

Trinkwasseranlagen, weil sauberes Wasser zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört, Mittagessen für alle Kinder, die in der neuen Küche gekocht werden und dass die Bibliothek mit Büchern gefüllt wird.

Wir haben gesehen, welche Wirkung der Zugang zu Bildung auf die Kinder, ihre Familien und den Aufbau Haitis hat. Wir alle können so einfach helfen, dass die Haitianerinnen und Haitianer ihr Land Schritt für Schritt wieder aufbauen und die Verantwortung für ihre Zukunft in den eigenen Händen halten.


schuleroffnung singen


Malin war 2013 als Schülerbotschafterin in Haiti

2013 waren wir erstmals in Begleitung einer Schülerbotschafterin in Haiti. Malin berichtet seit dem kontinuierlich als Kinderreporterin über ihre Eindrücke und mobilisiert an Schulen, sich gemeinsam für Bildung in Haiti stark zu machen. Malin zeigt in einem Clip, was sie auf ihrer Reise nach Haiti alles erlebt hat. Die filmischen Eindrücke aus 2013 findest du hier: Unser Projektbesuch

Bist du neugierig geworden? Weitere Eindrücke schildert Malin in ihrem Reisetagebuch.

Ob die neuen Schulen wohl erdbebensicher sind? Finde es hier heraus.

Malin-Schulbesuch5
Foto: Felix Rachor